Weiterbildung: Fachwirt im Gesundheits- und Sozialwesen (IHK)

Auch Einrichtungen des Gesundheitswesens müssen mehr und mehr wirtschaftlich denken und ihre Dienstleistungen so ökonomisch wie möglich anbieten. Dementsprechend sind sie immer auf der Suche nach entsprechend qualifiziertem Personal, welches nicht nur brancheninternes Wissen, sondern auch Kenntnisse und Fähigkeiten aus dem Bereich der BWL mitbringt. Eine solche Fachkraft ist der Fachwirt im Gesundheits- und Sozialwesen, die immer da zum Einsatz kommt, wo sich Aufgaben des Sozialmanagements mit betriebswirtschaftlichen Herausforderungen überschneiden.

Der Fachwirt im Gesundheits- und Sozialwesen ist eine öffentlich-rechtlich anerkannte Qualifikation aus dem kaufmännischen Bereich, die man nur durch das Absolvieren einer entsprechenden Weiterbildung erreichen kann. Diese besteht aus zwei verschiedenen Teilen:

  1. die Teilnahme an einem vorbereitenden Lehrgang sowie
  2. der anschließenden Prüfung vor der Industrie- und Handelskammer.

Verpflichtend ist dabei allerdings nur der Prüfungsteil, nicht aber die Teilnahme an dem vorbereitenden Kurs selbst.

Wenn du dir also zutraust, dir die Prüfungsinhalte selbst anzueignen, dann kannst du die Prüfung auch einfach so ablegen (natürlich unter der Bedingung, dass du die entsprechenden Voraussetzungen erfüllst). Da die Prüfung aber sehr umfangreich und anspruchsvoll ist, würden wir die Teilnahme an einem entsprechenden Lehrgang auf jeden Fall empfehlen. Wer die Prüfung erfolgreich bestanden hat und schließlich die Abschlussbezeichnung „Geprüfter Fachwirt“ mit dem Zusatz "IHK"führen darf, dem eröffnen sich zahlreiche neue berufliche Möglichkeiten in den verschiedensten Einrichtungen des Gesundheitswesens.

Alle Infos zur Weiterbildung Fachwirt im Gesundheits- und Sozialwesen (IHK)

Weiterbildung Fachwirt im Gesundheits- und Sozialwesen (IHK): Inhalte

Fachwirte im Gesundheits- und Sozialwesen (IHK) tragen nicht nur Verantwortung für die betriebswirtschaftlichen Herausforderungen einer Einrichtung, sondern sind auch für die Bereiche Personal, Kundenmanagement und Sozialmarketing zuständig. Um sie auf diese zahlreichen verschiedenen Aufgaben vorzubereiten, ist die Weiterbildung inhaltlich entsprechend breit und interdisziplinär aufgebaut.

Sie setzt sich aus den sechs thematisch übergeordneten Bereichen

  1. Planen, Steuern und Organisieren betrieblicher Prozesse
  2. Steuern von Qualitätsmanagementprozessen
  3. Gestalten von Schnittstellen und Projekten
  4. Steuern und Überwachen betriebswirtschaftlicher Prozesse und Ressourcen
  5. Führen und Entwickeln von Personal
  6. Planen und Durchführen von Marketingmaßnahmen

zusammen.

Diese beinhalten Module wie

  • Einsatz von Organisationskonzepten
  • Strategien zur Steigerung der Markt- und Innovationsfähigkeit
  • Durchführung interner Audits
  • Organisation und Formung von Teams
  • Steuerung von Kommunikationsprozessen
  • Internes und externes Rechnungswesen
  • Controlling
  • Finanz- und Investitionsplanung
  • Rechtliche Bestimmungen
  • Ermittlung des Personalbedarfs und Planung des Personaleinsatzes
  • Personalentwicklung und -förderung
  • Planung und Realisierung von Marketingmaßnahmen

Voraussetzungen

Formale Voraussetzungen

Für die Teilnahme an einer Weiterbildung zum Fachwirt im Gesundheits- und Sozialwesen (IHK) muss mindestens eine der folgenden Qualifikationen erfüllt werden:

  1. eine erfolgreich abgeschlossene Ausbildung aus dem medizinischen, kaufmännischen, verwaltenden oder handwerklichen Bereich des Gesundheits- und Sozialwesens sowie eine anschließende, passende berufliche Tätigkeit von mindestens einem Jahr
  2. eine erfolgreich abgeschlossene Ausbildung in einem bundesrechtlich geregelten Beruf im Gesundheits- und Sozialwesen oder einem dreijährigen landesrechtlich geregelten Beruf im Gesundheits- und Sozialwesen sowie einer mindestens einjährigen Berufspraxis
  3. ein erfolgreich abgeschlossenes Hochschulstudium sowie eine anschließende, passende berufliche Tätigkeit von mindestens zwei Jahren
  4. eine erfolgreich abgeschlossene Ausbildung in einem sonstigen kaufmännischen, verwaltenden oder hauswirtschaftlichem Beruf mit einer anschließenden, mindestens zweijährigen Berufspraxis im Gesundheits- und Sozialwesen
  5. eine mindestens fünfjährige Berufspraxis im Gesundheits- und Sozialwesen

Du bist dir unsicher, ob deine Ausbildung bzw. deine berufliche Qualifikation unter die oben genannten Punkte fällt? Dann solltest du dich am besten direkt an die Beratung der für deine Region zuständigen Industrie- und Handelskammer wenden.

Persönliche Voraussetzungen

Um als IHK-Fachwirt erfolgreich zu sein, sollte man neben den oben genannten formalen Voraussetzungen am besten auch noch einige persönliche Eigenschaften und Fähigkeiten mitbringen. Dazu zählen zum Beispiel ein Händchen für Zahlen, Freude an organisatorischen und planerischen Aufgaben sowie eine sorgfältige Arbeitsweise. Da der Kontakt zu Mitarbeitern, Kunden und der Öffentlichkeit zu den täglichen Aufgaben eines Fachwirts im Gesundheits- und Sozialwesen gehört, sind kommunikatives Geschick und soziale Kompetenz aber mindestens genau so wichtig.

Dauer und Verlauf

Nach der Empfehlung des DIHK-Rahmenplans sollten die vorbereitenden Lehrgänge für die Prüfung zum Fachwirt im Gesundheits- und Sozialwesen mindestens 600 Unterrichtsstunden umfassen. Je nach Organisationsform und Anbieter können sich diese aber auf einen Zeitraum von drei Monaten bis hin zu zwei Jahren verteilen. Nach dem Abschluss des Lehrgangs erhalten alle Teilnehmer ein institutsinternes Zertifikat.

Prüfung vor der IHK

Das Zertifikat gibt ihnen allerdings noch nicht die Berechtigung, sich "Fachwirt im Gesundheits- und Sozialwesen (IHK)" zu nennen. Bevor man diese Bezeichnung führen darf, muss noch eine letzte Hürde überwunden werden: die Prüfung vor der Industrie- und Handelskammer selbst. Diese besteht aus einem schriftlichen und einem mündlichen Teil.

Im schriftlichen Teil müssen sich die Prüflinge über ca. 300 Minuten lang mit zwei Aufgaben beschäftigen, welche sich auf eine betriebliche Situationsbeschreibung und alle Weiterbildungsinhalte beziehen kann. Die mündliche Prüfung, welche erst nach dem Bestehen der schriftlichen Prüfung absolviert werden kann, ist hingegen deutlich weniger umfangreich und gliedert sich in eine 10-minütige Präsentation sowie ein 20-minütiges Fachgespräch. Dabei gibt es bestimmte thematische Vorgaben: Die Themenstellung muss sich auf den Handlungsbereich „Führen und Entwickeln von Personal“ sowie einen weiteren, frei wählbaren Bereich beziehen.

Weiterbildungsformen und Zeitmodelle

Wie man sich auf die Prüfung zum Fachwirt im Gesundheits- und Sozialwesen vor der IHK vorbereitet, bleibt jedem selbst überlassen, denn: Je nach Institut gibt es verschiedene Studienformen. So kann man sich die Variante aussuchen, die am besten zu den eigenen Präferenzen und Lebensumständen passt.

(Berufsbegleitender) Fernlehrgang:
Der Fernlehrgang ist eine Variante, welche die größte zeitliche und räumliche Flexibilität bietet. Hier arbeiten die Teilnehmer mit sogenannten Studienbriefen, die sie meist online abrufen können und sich dann im Selbststudium aneignen müssen. Online-Plattformen und -Netzwerke bieten außerdem die Möglichkeit, sich mit Dozenten, Betreuern und Kommilitonen auszutauschen. Bei manchen Anbietern stehen gelegentlich zusätzliche Präsenzveranstaltungen auf dem Stundenplan, andere kommen hingegen ganz ohne aus.

(Berufsbegleitender) Präsenzlehrgang:
Wer lieber gemeinsam mit anderen statt alleine lernt, der sollte sich lieber für einen Präsenzlehrgang entscheiden. Diese Variante gibt es sowohl als Vollzeit- als auch als berufsbegleitendes Teilzeitstudium. Während ersteres die komplette Zeit und Aufmerksamkeit der Teilnehmer in Anspruch nimmt, wird der Unterricht in der zweiten Variante so organisiert, dass man neben dem Lernen weiterhin seinem Beruf nachgehen kann. So finden die Veranstaltungen zum Beispiel werktags in den Abendstunden, am Wochenende oder als Blockveranstaltung statt.

Anerkennung

Der IHK-Fachwirt wird häufig mit einem industriellen Meister oder sogar mit einem Bachelor verglichen. Fakt ist aber, dass die IHK ein ganz eigenes System hat und sich deren Abschlüsse nicht einfach mit einem akademischen Abschluss gleichsetzen lassen. Dennoch genießen IHK-Fachwirte auf dem deutschsprachigen Arbeitsmarkt einen hohen Bekanntheitsgrad und eine große Anerkennung und sind bei potentiellen Arbeitgebern dementsprechend gerne gesehen. In manchen Bundesländern werden sie sogar als möglicher Zugang für ein akademisches Studium anerkannt. Schwierigkeiten bei der Anerkennung könnte es höchstens im Ausland geben, da der IHK-Fachwirt außerhalb des deutschsprachigen Raums nur wenig bekannt ist.

14 Anbieter für Weiterbildungen zum Fachwirt im Gesundheits- und Sozialwesen

Karriere nach der Weiterbildung

Der Fachwirt im Gesundheits- und Sozialwesen arbeitet nicht in klassischen pflegerischen Tätigkeiten, sondern agiert eher im Hintergrund. Er muss für den reibungslosen Ablauf aller betriebswirtschaftlichen Aufgaben und Prozesse sorgen; dazu gehören zum Beispiel das Controlling, die Kosten- und Leistenrechnung, das Durchführen von Wirtschaftlichkeitsanalysen, die Wahrung von rechtlichen Vorschriften und das Vorbereiten und Erstellen von Monats- und Jahresabrechnungen. Darüber hinaus fallen aber auch viele personelle Aspekte wie zum Beispiel das Erstellen von Dienstplänen, die Personalbeschaffung und -entwicklung oder das Durchführen von Aus- und Weiterbildungen in seinen Verantwortungsbereich. Abgerundet wird sein Tätigkeitsprofil durch Aufgaben aus den Bereichen Marketing, Öffentlichkeitsarbeit und dem Kontakt zu Kunden und Behörden.

Je nach Betriebsgröße ist es möglich, dass der Fachwirt sich parallel um all diese Aufgabenbereiche kümmert; bei größeren Einrichtungen wird er sich aber meist auf einen bestimmten Teilaspekt fokussieren. Dieses breite Tätigkeitsspektrum ermöglicht es Geprüften Fachwirten, in so gut wie jeder Einrichtung des Gesundheits- und Sozialwesens unterzukommen. Zu ihren potentiellen Arbeitgebern gehören dementsprechend nicht nur Krankenhäuser, Pflegeheime, ambulante Pflegedienste, Hospize, Reha-Einrichtungen oder Gesundheitszentren, sondern auch medizinische Verbände, Gesundheitsämter, Krankenkassen, Rettungsdienste, soziale Beratungsdienste und viele andere. Diese Tatsache trägt dazu bei, dass geprüfte Fachwirte im Gesundheits- und Sozialwesen (IHK) nach ihrer erfolgreich bestandenen Prüfung gute Berufschancen haben; auch der Aufstieg in eine leitende Position ist mit diesem Abschluss möglich.

Gehalt

Wie viel man nach der Weiterbildung zum Fachwirt im Gesundheits- und Sozialwesen (IHK) konkret verdient, lässt sich nur schwer sagen. Eine Sache ist allerdings so gut wie sicher: Eine Weiterbildung und die damit einhergehende Spezialisierung führen langfristig so gut wie immer zu einer Gehaltserhöhung. Das liegt vor allem auch daran, dass man als Fachwirt deutlich mehr Verantwortung für den Gesamtbetrieb trägt und die Chance hat, in leitende Positionen aufzusteigen.

Je nach Arbeitgeber, Betriebsgröße und Bundesland sind dementsprechend Gehaltsspannen von rund 2.500 - 3.000 Euro pro Monat (brutto) durchaus realistisch. Noch besser verdienen alle, die im öffentlichen Dienst beschäftigt sind: Hier gibt die Bundesagentur für Arbeit ein Gehalt von rund 2.500 bis knapp 4.000 Euro pro Monat (brutto) an. Natürlich wirkt sich auch die berufliche Erfahrung unmittelbar auf das Gehalt von Fachwirten im Gesundheits- und Sozialwesen aus. Wer bereits mehrere Jahre als Fachwirt tätig ist, findet auf der Gehaltsabrechnung in der Regel mehrere hundert Euro mehr pro Monat als seine Kollegen, die gerade erst in den Beruf eingestiegen sind.

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