Weiterbildung: Case Manager

Case Manager beschäftigen sich intensiv und individuell mit Patienten und Pflegebedürftigen, klären diese über ihre Möglichkeiten und Rechte auf und versuchen, Ressourcen im Umfeld der Pflegebedürftigen zu aktivieren. Der Zugang zum Berufsbild ist über eine spezialisierte Weiterbildung möglich.

Das Berufsbild des Case Managers stammt ursprünglich aus den USA und ist in Deutschland noch relativ neu. Es bezeichnet eine erfahrene Pflegekraft mit einer entsprechenden Weiterbildung, welche die Schnittstelle zwischen Ärzten, Pflegefachkräften und Therapeuten darstellt und deren Dienstleistungen für ihre Patienten organisiert und koordiniert.

Überschneidungen zum Pflegeberater

Wer sich einmal mit entsprechenden Case Manager-Lehrgängen in Deutschland auseinandersetzt, wird schnell feststellen, dass diese hier oft unter der Bezeichnung „Case Manager/Pflegeberater“ geführt werden. Dennoch gibt es nach wie vor einige Unterschiede zwischen beiden Berufsbildern. Case Manager planen Hilfsleistungen für Individuen, aber auch für Gruppen und bestimmte Versorgungssettings. Sie betreiben also neben dem Fallmanagment auch ein Systemmanagement. Ihr Ziel ist es dabei, die Ressourcen zu aktivieren, die im Umfeld des/der Betroffenen vorhanden sind und diese für die Problembewältigung nutzbar zu machen. Der Schwerpunkt des Pflegeberaters liegt hingegen eher in der Information und der Beratung seiner Patienten.

Zusammenfassend kann man sagen, dass das Case Management wesentlich komplexer gestaltet ist als eine "einfache" Pflegeberatung. Jedoch ist auch das Berufsbild des Pflegeberaters im Wandel seitdem 2009 der gesetzliche Anspruch auf eine kostenlose professionelle Pflegeberatung gemäß § 7a SGB XI besteht.

Diese Veränderung trägt dazu bei, dass sich die Aufgabenbereiche von Case Managern und Pflegeberatern zunehmend annähern und immer deckungsgleicher werden. So ist nicht verwunderlich, dass manche Weiterbildungen beide Bezeichnungen im Titel vereinen.

Aber Achtung: Nicht alle Anbieter setzen den Case Manager automatisch mit dem Pflegeberater gleich. Je nach Lehrgang können die Inhalte entweder sehr ähnlich sein oder stark voneinander abweichen. Aus diesem Grund sollte man vor der endgültigen Entscheidung für eine bestimmte Weiterbildung immer erst mal einen Blick auf den Lehrplan werfen und feststellen, ob die angebotenen Inhalte auch mit den eigenen Erwartungen und dem angestrebten Berufsbild übereinstimmen oder nicht.

Pflegestudium Studenten

Was ist Case Management?

Case Management wird im Deutschen oft als "Fall-Management" übersetzt und meint die abteilungsübergreifende Koordination von Pflegebehandlungen. Die offizielle Definition der Deutschen Gesellschaft für Care und Case Management (DGCC) lautet:

„Case Management ist eine Verfahrensweise in Humandiensten und ihrer Organisation zu dem Zweck, bedarfsentsprechend im Einzelfall eine nötige Unterstützung, Behandlung, Begleitung, Förderung und Versorgung von Menschen angemessen zu bewerkstelligen. Der Handlungsansatz ist zugleich ein Programm, nach dem Leistungsprozesse in einem System der Versorgung und in einzelnen Bereichen des Sozial- und Gesundheitswesens effektiv und effizient gesteuert werden können.“

Wichtig ist dabei vor allem, dass das Case Management sich aus dem Fallmanagement und dem Systemmanagement zusammensetzt. Das Fallmanagement betrifft die Optimierung der Hilfsleistungen in einem konkreten Fall, das Systemmanagement umfasst die Optimierung der Versorgung in einem ganzen Zuständigkeitsbereich. 

Alle Infos zur Weiterbildung zum Case Manager

Weiterbildung Case Manager: Inhalte

Weiterbildungen zum Case Manager beschäftigen sich zum Beispiel mit den rechtlichen Grundlagen und institutionellen Rahmenbedingungen des Gesundheits- und Pflegewesens, Kommunikationsstrategien, der Bedarfsermittlung und dem Erstellen von Pflegeplänen.

Auf dem Lehrplan finden sich entsprechend Module wie

  • Sozial- und Betreuungsrecht
  • Moderation und Kommunikation
  • Fallsteuerung
  • Evaluation und Qualitätssicherung
  • Beratungskompetenz
  • Monitoring
  • Erstellen von Versorgungsplänen

Diese Inhalte finden sich auch auf den Lehrplänen von Weiterbildungen zum Pflegeberater (§ 7a SGB XI) wieder, werden jedoch ergänzt um Strategien, Verfahren, die Systemsteuerung sowie die ressourcen- und netzwerkorientierte Arbeit.

Um den Lehrgang zu finden, der am besten zu deinen persönlichen Interessen und deiner beruflichen Zielsetzung passt, solltest du dementsprechend die Curricula der verschiedenen Anbieter miteinander vergleichen. Diese finden sich entweder auf der jeweiligen Homepage oder können bei der Studienberatung nachgefragt werden.

Voraussetzungen

Formale Voraussetzungen

Der Zugang zu einer Weiterbildung als Case Manager ist sowohl mit einem ersten einschlägigen Hochschulabschluss als auch mit einer passenden beruflichen Ausbildung möglich. Zusätzlich müssen die Bewerber auch noch berufliche Erfahrung mitbringen: Je nach Anbieter und Abschluss kann die geforderte Dauer allerdings stark variieren. Während manche lediglich das Absolvieren eines Praktikums fordern, verlangen andere bis zu sechs Jahre Berufserfahrung in einer pflegerischen Einrichtung.

Neben diesen grundlegenden Zulassungsvoraussetzungen fordern manche Institute übrigens noch weitere Qualifikationen, wie zum Beispiel einen Nachweis über bereits vorhandene Beratungskompetenz oder über Kenntnisse im Bereich der Kommunikation und Gesprächsführung.

Aufgrund dieser relativ hohen Varianz sollte man sich am besten frühzeitig direkt auf der Homepage oder bei der Beratung des betreffenden Anbieters darüber informieren, welche Voraussetzungen dieser konkret verlangt.

Persönliche Voraussetzungen

Case Manager haben einen verantwortungsvollen Job; dementsprechend sollten sie eine sorgfältige Arbeitsweise auf jeden Fall zu ihren Qualitäten zählen. Da sie sich um viele verschiedene Teilaspekte des pflegerischen Alltags kümmern, benötigen sie außerdem auch Organisationstalent, koordinatorisches Geschick und eine ganzheitliche Herangehensweise. Der berufliche Alltag als Case Manager setzt außerdem ein hohes Maß an Selbstständigkeit und Flexibilität, aber auch Empathie und viel soziale Kompetenz sowie Freude an der Arbeit mit Menschen voraus.

Wenn du all diese Eigenschaften und eine entsprechende Aus- bzw. Weiterbildung mitbringst, steht einer erfolgreichen Karriere als Case Manager nichts mehr im Weg!

Dauer und Verlauf

Wie viel Zeit eine Weiterbildung zum Case Manager in Anspruch nimmt, hängt ganz vom jeweiligen Anbieter und der Studienform ab; die Dauer variiert hier insgesamt zwischen 4 und 18 Monaten.

Doch nicht nur die Länge, sondern auch der konkrete Ablauf der Weiterbildung kann sich je nach Institut stark unterscheiden. Manche Anbieter unterteilen ihre Weiterbildungen in sogenannte Basis- und Aufbaumodule; andere bieten sie hingegen in der sogenannten integrierten Variante an, in welcher verschiedene Themenbereiche parallel zueinander unterrichtet werden und dementsprechend nicht modular aufeinander aufbauen. Das führt dazu, dass die Lehrpläne oft ganz unterschiedlich aufgestellt sind.

Manche Weiterbildungen beinhalten außerdem ein zusätzliches Kurzpraktikum, welches in einer ambulanten und/oder stationären Pflegeeinrichtung absolviert werden muss. Unabhängig von den unterschiedlichen Lehrplänen enden die Weiterbildungen zum Case Manager allerdings immer mit einer abschließenden Prüfung. Diese wird entweder in Form einer Projektarbeit und einer anschließenden Präsentation oder als schriftliche Hausarbeit abgelegt.

Weiterbildungsformen und Zeitmodelle

Die Weiterbildung zum Case Manager wird in unterschiedlichen Studienformen angeboten. Eine davon ist die Vollzeitvariante, in welcher der Unterricht ganztägig und an jedem Werktag am Institut selbst abgehalten wird. Diese Option eignet sich dementsprechend nicht für Berufstätige, hat aber dennoch einige Vorteile. Dazu zählen vor allem feste Strukturen, die Unterstützung von Kommilitonen und Dozenten sowie eine verhältnismäßig kurze Dauer.

Fernlehrgang: Wer seinen Job nicht aufgeben möchte und trotzdem eine Weiterbildung zum Case Manager absolvieren möchte, sollte sich hingegen lieber für eine berufsbegleitende Variante entscheiden. Dieses Modell macht den größten Teil des Weiterbildungsangebots aus und bietet eine große zeitliche und räumliche Flexibilität, da sich die Teilnehmer hier selbst aussuchen können, wann und wo sie sich mit dem Unterrichtsmaterial beschäftigen. Allerdings kommen auch die meisten Fernstudiengänge nicht komplett ohne Präsenzveranstaltungen aus. Damit sich diese aber mit der Berufstätigkeit der Teilnehmer vertragen, finden sie in der Regel an den Wochenenden oder in Blockform statt.

Anerkennung

Der „Case Manager“ stellt keine geschützte Berufsbezeichnung dar. Dementsprechend gibt es auch keine gesetzlich festgelegten Richtlinien, denen die Weiterbildungen inhaltlich oder organisatorisch folgen müssen. Die Teilnehmer erhalten nach dem Abschluss ein institutsinternes Zertifikat.

Ein wichtiger Indikator für einen qualitativ hochwertigen Lehrgang bietet in diesem Bereich aber eine Zertifizierung durch die Deutsche Gesellschaft für Case und Care Management (DGCC). Diese hat ein Zertifizierungssystem aufgebaut, welches die Qualität von Ausbildungen und Weiterbildungen zum Case Manager sichern soll. Die Standards beziehen sich sowohl auf die Weiterbildung selbst (also auf deren Ziele, Zulassungsvoraussetzungen, den Inhalt und die Didaktik) als auch auf die Anerkennung von Instituten und Ausbildern. Abschlüsse mit einer entsprechenden Anerkennung tragen die Bezeichnung „Zertifizierte/r Case Manager/in“ mit dem Zusatztitel „DGCC“.

Weist der Lehrgang deiner Wahl das o.g. Merkmal nicht auf, muss das allerdings nicht zwingend heißen, dass er von schlechter Qualität ist. Um herauszufinden, welchen Ruf und welche Wertigkeit das entsprechende Zertifikat auf dem Arbeitsmarkt genießt, empfiehlt sich in diesen Fällen aber dennoch eine genauere Überprüfung sowie ggf. eine Rücksprache mit dem (potentiellen) Arbeitgeber oder ehemaligen Absolventen.

Karriere nach der Weiterbildung

Case Manager arbeiten oft auch unter der Berufsbezeichnung "Fallmanager" bzw. "Patientenbetreuer". Ihre Hauptaufgabe bleibt dabei aber immer die gleiche: Sie sorgen für eine angemessene Versorgung ihrer Patienten, indem sie deren Pflegebedarf bestimmen, Ressourcen in ihrem Umfeld aktivieren, verschiedene institutionelle Leistungsprozesse steuern und für die Gewährleistung und Sicherung der Pflegequalität sorgen. Sie kümmern sich um das Entlassungsmanagement, Anträge für Pflegegelder, den Platz in der gewünschten Reha-Einrichtung und stellen sicher, dass Behandlungen nicht doppelt durchgeführt werden.

Gleichzeitig sind Case Manager aber auch ständige Begleiter und Ansprechpartner für die Patienten und sorgen dafür, dass diese über alle Schritte und Prozesse informiert sind. Zum Einsatz kommen sie dabei vor allem in Krankenhäusern, Pflegeheimen, Reha-Kliniken, ambulanten Pflegediensten, aber durchaus auch bei Krankenkassen und Verbänden.

Und wie sieht es mit den Karrierechancen aus?

Laut einer Studie des Beratungsunternehmens PricewaterhouseCoopers werden in 20 Jahren fast eine Million Fachkräfte im Gesundheitsbereich fehlen. Das gilt vor allem für hochqualifiziertes Personal wie Case Manager. In diesem Kontext verspricht die Weiterbildung erstklassige Berufschancen und sichere Zukunftsperspektiven. Da Case Manager durch ihre koordinatorischen Fähigkeiten für einen effektiven Ablauf und finanzielle Einsparungen sorgen, zählen sie gerade in Zeiten von Mittelknappheit im Gesundheitswesen zu äußerst beliebten und wichtigen Mitarbeitern.

Gehalt

Eine Weiterbildung zum Case Manager lohnt sich: Das Monatsgehalt liegt hier durchschnittlich zwischen 2.500 - 3.300 Euro (brutto) und ist damit deutlich höher als das von Pflegefachkräften ohne entsprechenden Case Manager-Abschluss.

Allerdings sollte man diese Angabe höchstens als Orientierungswert verstehen, denn je nach Betriebsgröße und Standort kann es zu erheblichen Abweichungen in puncto Gehalt kommen. 

So verdienen Case Manager in großen Krankenhäusern und Heimen zum Beispiel meist deutlich mehr als Mitarbeiter in kleinen oder mittelständischen Betrieben, und Arbeitnehmer in West- und Süddeutschland bekommen generell mehr Geld als im Osten der Bundesrepublik. Das kann auf der Gehaltsabrechnung schon mal ein paar Tausend Euro Unterschied im Jahr bedeuten.

Eine wichtige Rolle spielt natürlich auch die Berufserfahrung. Wer bereits einige Jahre als Case Manager gearbeitet hat, wird in der Regel pro Monat mehrere hundert Euro mehr verdienen als ein Berufsanfänger in einer vergleichbaren Position. Wer noch länger dabei ist und sich vielleicht sogar in eine leitenden Position hochgearbeitet hat, kann dann sogar mit einem Case Manager-Gehalt von 50.000 Euro im Jahr (brutto) oder mehr rechnen. Spitzengehälter bewegen sich im Rahmen von knapp 60.000 Euro Jahresgehalt, sind aber sicher nicht die Regel.

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