Palliativpflege-Studium (Palliative Care)

In einer immer älter werdenden Gesellschaft ist nicht nur die Erhaltung von Gesundheit und Lebensqualität im letzten Lebensabschnitt ein wichtiges Thema, auch das würdevolle Sterben und die angemessene Begleitung durch speziell qualifiziertes Fachpersonal rückt stärker in den Fokus. Mit diesem speziellen Aspekt der Pflege beschäftigen sich Palliativpflege-Studiengänge, die wir im Folgenden näher beschreiben.

Was ist Palliative Care?

Palliative Care – die Palliativpflege – hat die Aufgabe, die Lebensqualität und Würde eines lebensbedrohlich kranken oder sterbenden Menschen so lange wie möglich aufrecht zu erhalten. Dazu gehört nicht nur die medikamentöse Linderung von Schmerzen, sondern vor allem auch eine umfassende psychologische und spirituelle Betreuung. Das langfristige Ziel ist dabei weder eine Beschleunigung noch eine Verzögerung des Todes, sondern vor allem die Anerkennung des Sterbens als natürlichen und unausweichlichen Prozess. Obwohl der Patient im Mittelpunkt steht, gehört hier natürlich auch die Arbeit mit dessen Angehörigen zum Alltag einer Palliative Care-Fachkraft. Dabei geht es vor allem um den gesunden Umgang mit Verlust und die Bewältigung von Trauer.

Ursprung von Palliative Care-Studiengängen

Palliative Care-Studiengänge stammen ursprünglich aus dem angloamerkanischen Raum. Mittlerweile gibt es aber auch zahlreiche (Master-)Angebote in Deutschland, Österreich und der Schweiz, die sich in erster Linie an Absolventen aus Pflegewissenschaften- und Pflegemanagement-Studiengängen wenden. Ein entsprechender Abschluss qualifiziert dich sowohl für die Übernahme von Aufgaben im Management von stationären und ambulanten Pflege- und Palliativeinrichtungen als auch für eine Karriere in Wissenschaft und Forschung.

Wusstest du, dass...

...das Wort „pallium“ aus dem Lateinischen stammt und so viel wie Mantel oder Umhang bedeutet?

...der 12. Mai der Internationale Tag der Krankenpflege ist?

...sich die Anzahl der ambulanten Operationen im Zeitraum von 2002 - 2014 mehr als verdreifacht hat?

Alle Infos zum Palliativpflege-Studium

Einen Bachelorstudiengang für Palliativpflege gibt es nicht. Das liegt daran, dass es sich um ein sehr spezielles Gebiet der Pflege handelt, das umfassendes Fachwissen in der Pflege voraussetzt. Ein vorangegangener Bachelor in Pflege kann die Grundlagen vermitteln, die später in einem eventuellen Master weiter vertieft werden.

Mögliche Bachelor vor dem Palliativpflege-Master

Wen du schon weißt, dass du dich mit Palliative Care im Studium beschäftigen willst, bietet ein Bachelor in Pflegewissenschaften oder Pflegemanagement eine gute Grundlage für einen Palliative Care-Master. Sollte ein Bachelorstudium für dich nicht in Frage kommen, weil du bereits berufstätig bist und nicht nebenbei studieren willst, dann ist eine Weiterbildung für Palliativpflege auch eine Option. Es gibt einige Zertifikatslehrgänge, die auf Tätigkeiten im Management von Palliativeinrichtungen oder Pflegeaufgaben in der Palliativpflege vorbereiten. Diese findest du in unserer Rubrik "Weiterbildung".

Studieninhalte

Um der speziellen Situation sterbender Menschen und den damit einhergehenden Bedürfnissen gerecht zu werden, müssen sich Palliativ-Fachkräfte mit vielen verschiedenen Aspekten der Sterbebegleitung auskennen. Dazu gehören nicht nur die medizinische und psychologische Betreuung, sondern auch sozialwissenschaftliches und ethisches Wissen sowie das Organisationsmanagement und entsprechende Handlungskompetenzen.

Das Curriculum von Palliative Care-Studiengängen ist dementsprechend sehr breit gestreut und stark interdisziplinär ausgerichtet. Es beinhaltet zum Beispiel Module wie 

  • Ethische, rechtliche und gesellschaftliche Aspekte
  • Psychosoziale, kommunikative und spirituelle Kompetenz
  • Symptome und Symptomkontrolle
  • Organisation und Management
  • Personale und interpersonale Kompetenz
  • Schmerztherapie
  • Arbeit mit Hinterlagen
  • Sterbebegleitung
  • Altenpflege und Palliativmedizin
  • Krankheitsbilder

Die meisten Masterstudiengänge der Palliativpflege bieten neben den oben genannten Inhalten auch noch diverse Vertiefungen und Wahlpflichtfächer an, aus denen man in den höheren Semestern auswählen kann. Dazu gehören unter anderem Themenbereiche wie

  • Professionelle Palliative Care in Public Health
  • Besondere Patientengruppen
  • Community and Family Health Nursing

Da die meisten Palliative Care-Master je nach Hochschule unterschiedliche Ausrichtungen und Schwerpunkte haben können, macht es Sinn, vor der Einschreibung verschiedene Curricula miteinander zu vergleichen. So kannst du sichergehen, dass du den Studiengang findest, der am besten zu deinen Interessen und Karriereplänen passt.

Voraussetzungen

Formale Voraussetzungen

Eine Chance auf einen Masterstudienplatz im Bereich Palliative Care haben alle Bewerber, die einen ersten akademischen Abschluss aus einem thematisch relevanten Bereich mitbringen. Dazu zählen zum Beispiel die Humanmedizin, Pflegewissenschaften, Pflegemanagement, Pflegepädagogik, Public Health, Psychologie oder die Sozial- und Rechtswissenschaften.

Allerdings stellen der Bachelor oder das Diplom nur die erste der nachgefragten Voraussetzungen dar. Zusätzlich zum Abschluss müssen die Kandidaten nämlich auch noch Berufserfahrung (je nach Uni zwischen ein und zwei Jahren) und gute Deutsch- und Englischkenntnisse mitbringen.

Haben die Hochschulen zu viele qualifizierte Bewerber, ist es dann letztendlich oft das persönliche Eignungsgespräch, das über die Zulassung entscheidet.

Persönliche Voraussetzungen

Tod und Sterben sind in der Palliativpflege ganz normale Prozesse, mit denen man sich Tag für Tag auseinandersetzen muss. Das ist sicherlich nicht jedermanns Ding und kann sich als große emotionale Herausforderung erweisen. Wer seine berufliche Zukunft im Bereich der Palliative Care sieht, sollte also nicht nur Eigenschaften wie Empathie, Einfühlungsvermögen und Fürsorglichkeit mitbringen, sondern vor allem auch die Fähigkeit, sich emotional und gedanklich abzugrenzen und Privates und Berufliches strikt zu trennen. Da Masterabsolventen in der Regel in leitenden Positionen tätig sind, benötigen sie aber auch gute organisatorische und koordinatorische Fähigkeiten und eine hohe Kommunikationsbereitschaft.

Dauer und Verlauf

Palliative Care-Master haben eine Dauer von vier bis sechs Semestern. In dieser Zeit lernen die Studierenden nicht nur die wichtigsten Grundlagen der Palliativpflege kennen, sondern spezialisieren sich in der Regel auch auf einen oder mehrere Themenbereiche ihrer Wahl.

Zu Beginn absolvieren die Teilnehmer meist eine Reihe von einführenden Modulen, in denen nicht nur fachliches, sondern auch methodisches Wissen vermittelt wird. In den höheren Semestern werden hingegen vor allem spezialisierte Inhalte behandelt; hier können die Studenten außerdem durch die Wahl von verschiedenen Pflichtbereichen individuelle Schwerpunkte setzen und ihre Expertise in einem bestimmten Themenkomplex ausbauen.

Da sich das Master-Studium Palliative Care an berufserfahrenes medizinisches und pflegerisches Personal richtet, sieht das Curriculum normalerweise keine Praktika vor. Um die praktische Kompetenz der Teilnehmer zu schulen, werden aber an vielen Hochschulen Praxismodule oder -projekte abgehalten. Am Ende des Studiums steht die Master-Thesis mit dem begleitenden Kolloquium, in der die Studierenden auf rund 70 - 90 Seiten beweisen müssen, dass sie eine wissenschaftliche Fragestellung methodisch korrekt bearbeiten können.

Übrigens: Während die Absolventen einer deutschen Hochschule das Palliative Care-Studium mit dem Master of Science abschließen, erhalten Studierende in Österreich und der Schweiz in der Regel den Abschluss „Master of Advanced Studies“.

Studienformen

Berufsbegleitend zum Abschluss

Palliative Care-Master sind in der Regel als berufsbegleitende Studiengänge organisiert und kombinieren längere Abschnitte des Selbststudiums mit regelmäßigen Präsenzveranstaltungen. Damit sich letztere auch mit einer Berufstätigkeit vereinen lassen, beschränken sie sich aber meist auf wenige Tage im Semester und finden entweder an den Wochenenden oder als Blockveranstaltung statt. Vollkommene zeitliche und räumliche Flexibilität bieten hingegen die Selbstlernphasen. In der Regel werden die Studieninhalte online abgerufen oder per Postweg empfangen; im Anschluss kannst du dir das Material dann aneignen, wann und wo immer du willst. Zusätzliche Unterstützung bieten in dieser Zeit meist E-Learning-Plattformen, über die man sich digital mit Kommilitonen und Dozenten austauschen und vernetzen kann.

Karriere nach dem Studium

Arbeit in Pflege- und Hospizeinrichtungen

Mit einem Master in Palliative Care eröffnen sich dir viele berufliche Möglichkeiten. Der Großteil der Palliativ-Fachkräfte kommt nach dem Abschluss in Pflege- und Hospizeinrichtungen unter und wird dort für leitende administrative und organisatorische Aufgaben eingesetzt. Zu den Aufgaben gehören zum Beispiel das Qualitäts- und Casemanagement, die fachliche und koordinatorische Betreuung und Anleitung eines pflegerischen Teams oder die Planung und Umsetzung von hospizlich-palliativen Vorsorgemaßnahmen.

Weitere Arbeitgeber

Eine Anstellung findet man auch bei Behörden, Kommunen und anderen Leistungsträgern, die Unterstützung und Beratung bei der Anpassung und Umsetzung von spezialisierten Hospiz-Dienstleistungen benötigen. Organisationen und Verbände, die sich dem Thema Sterbebegleitung widmen, gehören ebenfalls auf die Liste der potentiellen Arbeitgeber.

Wer gerne wissenschaftlich arbeitet, kann schließlich auch an Hochschulen oder Forschungseinrichtungen Karriere machen. Hier forschen palliative Fachkräfte an den unterschiedlichsten Themenbereichen und tragen so zum Beispiel zur Verbesserung von Schmerztherapien oder zur Optimierung von pflegerisch-hospizlichen Prozessen bei.

Da das hohe Durchschnittsalter der Bevölkerung mit einer hohen Sterblichkeit verbunden ist, sind Fachkräfte aus dem Bereich der Palliative Care übrigens stark nachgefragt und haben dementsprechend gute Karrierechancen. Das wird deutlich, wenn man einmal in einschlägigen Job-Foren nach entsprechenden Stellenangeboten sucht.

Zur Pflege-Jobbörse

Gehalt

Was du als Fachkraft für Palliativpflege verdienst, hängt von vielen verschiedenen Faktoren ab und lässt sich deswegen schlecht pauschalisieren. Einen großen Einfluss hat zum Beispiel, ob du in einem wirtschaftlich oder einem eher sozial ausgerichteten Betrieb angestellt bist. Da ökonomisch arbeitende Betriebe in der Regel gewinnmaximierend operieren, können sie das auch an ihre Angestellten weitergeben und ihnen entsprechend höhere Löhne zahlen.

Daneben können sich auch das Bundesland (im Westen und Süden Deutschlands verdient man in der Regel mehr als im Osten), die konkrete Position im Betrieb (hast du eine leitende Tätigkeit mit Personalverantwortung inne oder nicht?), dessen Größe (große Betriebe zahlen höhere Gehälter als kleine) und die individuelle Berufserfahrung auf das Palliative Care-Einkommen auswirken.

Berücksichtigt man all diese Faktoren, dann scheint ein durchschnittliches Einkommen von rund 30.000 - 45.000 Euro (brutto) pro Jahr für studierte Palliativpfleger durchaus realistisch zu sein. Chancen auf ein höheres Gehalt hast du vor allem dann, wenn du es in Führungspositionen wie Pflegedienstleitung oder Pflegedienst-Koordination schaffst. Hier sind Gehälter von rund 50.000 - 60.000 Euro (brutto) durchaus im Bereich des Möglichen. Bei großen privaten Einrichtungen kann es sogar noch mehr sein.

Bitte beachte aber, dass diese Angaben lediglich eine Schätzung darstellen und nur der Orientierung dienen. Wie viel du letztendlich verdienst, hängt neben den oben genannten Faktoren letztendlich nämlich auch davon ab, wie geschickt du dich in der Gehaltsverhandlung anstellst.

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